Sie lesen einen Standpunkt vom Generalsekretär der Deutschen Seemannsmission, Matthias Ristau.
Internet an Bord ist technisch möglich und für die Reederei bezahlbar. Es ist für das Wohlergehen der Seeleute wichtig. Jede Reederei, die Seeleute als Fachkräfte halten will, sollte es anbieten.
Es gibt viele Gründe für einen guten Internetzugang an Bord:
- Es ermöglicht Seeleuten, mit Familie und Freundeskreis Kontakt zu halten.
- Mehr Kontaktmöglichkeit bedeutet, sich im Freundeskreis über Probleme austauschen zu können, über die nicht gern mit der Familie gesprochen wird.
- Von überall aus kann mit Port Chaplains (Seelsorgerinnen und Seelsorgern) der Seemannsmissionen gechattet werden, zum Beispiel auf dsm.care.
- Die Crew kann sich vorab über einen Hafen informieren, den Besuch im Seemannsclub oder Ausflüge planen. Wo nötig (zum Beispiel beim Arzt) können Termine vereinbart werden.
- An Bord können online Bankgeschäfte und einige Behördenangelegenheiten erledigt werden.
- Gerade bei kurzen Landgängen wird durch Vorbereitung der Zeitdruck geringer.
Die Deutsche Seemannsmission ist Teil des ökumenischen internationalen Verbandes der Seemannsmissionen, der International Christian Maritime Association (ICMA). Wir haben uns im Rahmen der ICMA und eigenständig als Verband dafür eingesetzt, dass es für alle Seeleute Internet an Bord geben soll.
Inzwischen steht das Recht auf Internet an Bord im Seearbeitsübereinkommen, der Maritime Labour Convention (MLC) 2006 – allerdings nur als Empfehlung. Die Umsetzung ins deutsche Seearbeitsrecht hat wegen des vorzeitigen Endes der Koalition nicht stattgefunden. Auch in deutschen Häfen müsste WLAN in den Terminals angeboten werden.
Obwohl es nur eine Empfehlung ist, freuen wir uns sehr, dass inzwischen immer mehr Reedereien für Internet auf den Schiffen sorgen. Da außerdem die Kosten stark gesunken sind, gibt es keinen guten Grund mehr, kein kostenloses Internet an Bord anzubieten.
Auf einem Forum des Verbandes internationaler maritimer Arbeitgeber sagten Seeleute sehr deutlich, dass fehlendes WLAN an Bord ein Grund wäre, nicht mehr zur See zu fahren. Auch der Seafarers Happiness Index von The Mission to Seafarers, der regelmäßig die Zufriedenheit der Seeleute misst, zeigte im vierten Quartal 2024 deutlich, wie wichtig Internet an Bord ist – und wie groß der Frust, wenn es zwar angeboten wird, aber nicht richtig funktioniert.
Aus all den genannten Gründen ist Internet an Bord ein Muss. Darüber sollte 2025 keine Diskussion mehr nötig sein.
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Dieser Standpunkt wurde zuerst veröffentlicht im „Lass fallen Anker“, dem Magazin der Deutschen Seemannsmission. Die gesamte PDF kann über folgenden Link geöffnet werden: https://seemannsmission.org/wp-content/uploads/2025/05/LFA_2025_web.pdf. Reinschauen lohnt sich!
